Hallo,
ich möchte mich nun auch mal vorstellen. Ich bin mittlerweile ein mittlerweile ein Viertel Jahrhundert und Biologie-Studentin im Endspurt.
Ich hatte (wohl aufgrund von Traumata in der frühen Kindheit: mir wurden als Baby (nach dem Suizid meines Vaters) von meinem Onkel beide Beine gebrochen und der Schädel eingeschlagen, daraufhin wurde ich vom Jugendamt von der Mutterbrust in eine Pflegefamilie gegeben-Bindungsbruch, auf den ich auch meine Gefühlskälte etwas zurückführe) in der Pubertät massive Depressionen mit Suizidgedanken, die Schule habe ich aber noch ganz gut hingekriegt. Zuhause habe ich aber dann stundenlang im Zimmer gehockt und mich selbst gehasst, außerdem extrem Sport getrieben (jeden Tag 2 h Joggen mit starken Höhenunterschied oder 30 km radeln). Wahrscheinlich habe ich dadurch versucht mich selbst zu bestrafen oder auch mein nicht vorhandenes Selbstbewusstsein aufzubauen. Es war eine schlimme Zeit, die schlimmste meines Lebens, helfen lassen wollte ich mir nicht weil ich es in meinen Augen gar nicht verdient hatte, dass es mir besser geht. In der Schule war ich Mobbingopfer Nummer 1, irgendwann bin ich dann mal geplatzt und habe einem Klassenkameraden ein Veilchen verpasst.
Die Depressionen wurden dann etwas weniger mit dem Übersiedeln von der Gesamtschule in die Oberstufe (und weniger fiesen Klassenkameraden). Ich bin dann direkt nach dem Abi ausgezogen, in eine 1ZKB. Mein Studium habe ich relativ straff durchgezogen, zwar hatte ich regelmäßige Frust-Fress-Attacken aber im Großen und Ganzen habe ich mich durch Veränderung von Äußerlichkeiten selber rausgezogen aus dem Sumpf... Angefangen hat es damit, dass ich angefangen habe mir selber Klamotten zu kaufen (damit ich mich darin auch wohlfühle), natürlich schon lange vor dem Studium Dann (während des Studiums) bin von der Einzelwohnung in eine WG gezogen weil es mir zu einsam war in der Wohnung, ich habe mir eine Reitbeteiligung gesucht und hatte auch kaum mehr "ernsthafte" Depressionen. Eigentlich ging es mir ganz gut, bis kurz vor den Abschlussprüfungen. Ich habe die Prüfungen 2x rausgeschoben, nicht aus Prüfungsangst sondern weil es mit dem Lernen immer schlechter geklappt hat. Ich hatte nie das Gefühl überhaupt was zu lernen, und kurz vor den Prüfungen war ich wie gelähmt. Ich habe dann psychologischen Beistand von der Uni eingeholt, und schlussendlich endlich die Prüfungen erfolgreich hinter mich gebracht. Dass Hängen bei den Prüfungen hat mir gezeigt, dass ich wohl doch nicht allein da raus komme... aber das ist nicht alles....
Ich habe ziemlich genau seit Beginn des Studiums einen Freund, der mich wirklich liebt... Zu Beginn unserer Beziehung war ich auch sehr verliebt und alles lief bestens, aber im Laufe der Zeit hat sich eine Gefühlskälte meinerseits eingestellt die unsere Beziehung immer wieder auf die Probe stellt... Wir führen von Anfang an eine Fern-Beziehung, d.h. ich fahre quasi jedes Wochenende mit dem Zug zu ihm. Es hat sich jedoch des Öfteren ergeben dass ich zB den Zug mehr oder weniger absichtlich verpasse, weil ich einfach nix mit meinem Freund anfangen konnte. Keine Lust. Ich habe diese Phasen eigentlich weitgehend hinter mir gelassen, jedoch kann ich ihm grundsätzlich viel zuwenig Liebe und Nähe geben, da ich kaum noch was empfinde. Bzw. rutschen meine Gefühle innerhalb weniger Tage von "Mann meines Lebens" total ab und ich stelle die ganze Beziehung in Frage. In ca. 2 Wochen Rhytmus. Ich möchte dann keine Nähe, und ich kann ihm auch keine geben. Bin damit überfordert, vielleicht drücke ich mich deshalb auch von vornherein vor einem Treffen. Ich frage mich vor allem auch ob man sich selbst lieben muss, um jemanden anderen zu lieben? Dann ist unsere Beziehung eigentlich von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Diesen Freitag war es mal wieder soweit, dass ich ihn hängen lasse... ohne Bescheid zu geben, weil ich die Entscheidung vor mir herschiebe... generelle Antriebslosigkeit ist es übrigens nicht, denn ich kriege alle anderen Pflichten (Putzen, Waschen, Einkaufen, ja sogar Sport) sehr gut auf die Reihe. Naja auf jeden Fall stoße ich ihn damit natürlich massiv vor den Kopf, und ewig macht er das nicht mit (hat er mir auch schon mitgeteilt). Er hat mir jetzt ein Ultimatum gesetzt bis Ende meines Studiums (das sind noch 8 Monate), wenn sich bis dahin nix geändert hat wird er wohl Schluss machen. Die Empfehlung der Psychotherapeutin, die mich bis zu den Prüfungen begleitet hat ist ganz klar eine Therapie, aber in so kurzer Zeit werd ich mich wohl kaum umdrehen können.
Meine Gefühle für ihn sind sehr gemischt, wie gesagt zum Einen die Gefühlstaubheit, manchmal bin ich mir aber auch schlicht nicht sicher ob wir zusammen passen (es gibt einige essenzielle Dinge, in denen wir nicht übereinstimmen), und von Liebe kann ich eigentlich auch schon lange nicht mehr reden. Auf der anderen Seite ist er aber ein toller Mann und es gibt viele Dinge die mich an ihm anziehen, und wenn ich ihn so hängenlasse tut es mir natürlich auch nachher wahnsinnig leid. Ich weiß definitiv, dass ich mehr empfinde als ich ihm manchmal (oder meistens) zeige, aber ob ich ihn so absolut liebe das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es fällt mir generell schwer, Liebe auszudrücken. Meistens liest man ja von depressiven Menschen, die ihren Partner über alles lieben, es nur manchmal nicht zeigen können. Ich glaube das ist bei mir nicht so, und nun muss ich auch noch differenzieren zwischen depressiver Gefühlskälte (die übrigens innerhalb weniger Stunden auch wieder verschwinden kann, wie heute) und nicht vorhandener Liebe... Es ist so schwierig Mein mangelndes Gefühl für ihn könnte wiederum könnte auf einem Ungleichgewicht in der Beziehung beruhen, da er mehr an mir hängt als ich an ihm und er mir das auch zeigt (Ich lieb' dich nicht wenn du mich liebst).
Über Meinungen und eigene Erfahrungen würde ich mich sehr freuen.
Geändert von ice_crystal (30.11.2008 um 01:23 Uhr).
Dein Schicksal als Kind ist ergreifend. Zu den Nachwirkungen kann ich aus der Ferne nichts sagen.
Ich habe den Eindruck, Du bist zu stark auf die seelische Liebe fixiert. Lass mich mal zur Biologin in Dir sprechen: Der Mensch hat die längste Aufzuchtzeit unter allen Säugetieren, was die Natur zwecks Versorgung der Kinder dadurch sicherstellt, dass der Mensch keine Brunftzeiten kennt, also ständig Sex braucht - zwecks Paarbindung für die Aufzucht des Nachwuchses. Natürlich ver=bindet der Sex seelisch, was bis zur Hörigkeit gehen kann. Es sind also gar nicht in erster Linie die "guten Eigenschaften" oder sonstwas.
Daraus folgt: Man trifft sich in erster Linie deswegen, damit man erotischen (seelisch erregenden) und sexuellen (körperlich erregenden) Spass miteinander hat, also sich gegenseitig seine gewöhnlichen geschlechtlichen Bedürfnisse befriedigt ! Würde die seelische Liebe im Vordergrund stehen, so wäre die Menschheit schon längst ausgestorben. Die seelische Liebe im Sinne einer tiefen und treuen Freundschaft = Partnerschaft ist eine ersehnte und willkommene, aber nicht notwendige Draufgabe. Mach Dir mal die vielen partnerschaftlichen Probleme, Konflikte und Scheidungen bewusst. Unsere Gesellschaft ist total verlogen bezüglich dem total abgegriffenen, missbrauchten und ruinierten Begriff Liebe, denn ohne befriedigenden Sex hält keine Partnerschaft ! Liebe hin oder her.
Dazu kommt, dass jeder Mensch in verschiedener Hinsicht verschieden veranlagt ist, also verschieden antörnbar / erregbar ist. Weil in der Regel der Mann der aktivere und führendere Teil ist, folgt daraus, dass es Dein Freund nicht versteht, das Menschen-Weibchen in Dir bis zur Ekstase zu wecken. Dazu als Hinweis: Gesunde Menschen in Deinem Alter sind drei bis fünf Stunden aktiv zusammen, manchmal die ganze Nacht, weil man voneinander nicht genug bekommt. Schliesslich handelt es sich um den stärksten und schönsten Trieb im Menschen. Deine Schuld-Gefühle sind falsch, Ihr passt erotisch/sexuell ganz einfach nicht zusammen. Über die Gründe dafür kann ich mangels Info nichts sagen.
Man kann leicht feststellen, ob man sexuell blockiert ist: Stellen sich vom Kopf unabhängige, automatische und selbständige Beckenstösse ein ? Bist Du hinterher einige Zeit wie gelähmt und bewegungslos ?
Wow ähhhh... danke für die Antwort.
Bis hin zu "selbstständigen Beckenstößen" konnte ich dir dann nicht mehr folgen (den Rest habe ich verstanden)
Dass wir grundsätzlich sexuell nicht zueinander passen würde ich nicht so sehen, da er sehr einfühlsam ist, ich eigentlich jedes Mal einen Orgasmus bekomme (n kann wenn ich will) und ich auch schon sehr tiefgehenden Sex mit ihm hatte (weinen beim Orgasmus)...
Aber nach 5 Jahren wird es einfach ein bisschen langweilig und er hält es (da er selber anscheinend noch zufrieden ist mit dem Sex) nicht für notwendig, irgendwas zu ändern (wie auch in anderen Bereichen in seinem Leben). Ich glaube kompensieren tu ich das mit erotischen Träumen (die aber nicht bis zu selbstständigen Beckenstößen führen, zumindest hätte ich davon nix festgestellt). Aber ich finde es interessant wie sehr du dich darauf fixierst dass bei uns der sexuelle Teil nicht stimmt... Das hieße nur deswegen will ich nicht zu ihm kommen? Reichlich egoistisch von mir (wenn ich bedenke dass bei ihm Kuscheln VOR dem Sex kommt, was ich aber auch nicht will weil es mir nichts gibt).
Hi Ice, irgendwie begreife ich den link zur Sexualität nicht.. what ever..
Hast du dir den schonmal überlegt eine Kontaktpause einzulegen? Klar tut es dir leid um deinen Freund, aber ich denke er hat mehr davon wenn du ehrlich zu ihm bist und ihm sagst was für Gefühle oder eben nicht Gefühle dich quälen.
Vielleicht ist es wirklich keine Liebe mehr sondern noch gewohnheit?
Bei mir war es /ist es so
Mehr gewohnheit als Liebe zumindest meistens *g* wie du sieht kann ich meine Gefühle auch nicht einordnen.
__________________
Meiner Signatur gehts gut
«Ich bin so einsam, ich wünschte, ich wär zwei junge Hunde, dann könnte ich zusammen spielen.»
Ja das habe ich mich auch des Öfteren gefragt, Liebe oder Gewohnheit. Wir hatten vor einiger Zeit genau aus dem Grund schon eine Pause (von mir ausgehend), und ich war ziemlich sicher dass unsere Beziehung keinen Sinn mehr machen würde. Das oben bereits zitierte Buch (Ich lieb dich nicht wenn du mich liebst) hat mich dann auf den Boden der Tatsachen geholt. In Kurzform: Existiert ein (auch nur kleines) Ungleichgewicht in der Partnerschaft investiert der stärker liebende Part mehr Gefühle und auch materiell mehr, dadurch fühlt sich der zweifelnde Part "schuldig" (müsste ja eigentlich lieben, weil der andere so aufmerksam ist) und bedrängelt. Das schürt Frustration und nährt den Zweifel. Wir hatten uns dann (als wir beide das Buch gelesen haben) darauf geeinigt, dass es wohl bei uns so wäre und wir dementsprechend versuchen das Gleichgewicht wiederherzustellen. Eine Zeit lang ging das zumindest grundsätzlich in die richtige Richtung, inzwischen ist es so wie vorher...
Grundsätzlich bin ich aber (zum derzeitigen Zeitpunkt) nicht zu einer Trennung bereit (sage meinem Freund aber wenn er meint mit mir wird er nicht glücklich, werde ich ihn nicht aufhalten). Schwierige Sache
Danke, aber was eine Trennung betrifft bin ich derzeit handlungsunfähig. Und ich weiß auch nicht ob ich das wirklich will (nicht weil ich nicht allein sein will, sondern weil ich Angst habe DEN Mann meines Lebens zu verlieren).
Du bist SEELISCH nicht entjungfert, Du hast Dein Frausein noch nicht angenommen. Du hast Dein höchstes Lebensglück (noch) nicht erkannt.
Die Pubertät ist ein grosser Schritt, wenn man von einem sächlichen Wesen (DAS Kind) zu einem erwachsenen Menschen mit sexuell bestimmten Aufgaben und vorher unvorstellbaren Glücksmöglichkeiten wird. Ich lese nichts von Deiner Freude darüber, Frau zu sein und Kinder mit diesem Männchen zu wollen. Ein bisschen Bummsen, welches das wahre Glück nur ankratzt, das bringt es nicht.
Mehr sage ich lieber nicht dazu, bevor mir der Himmel auf den Kopf fällt.
Dieses Männchen kann Dir nicht klar machen, wozu Du geboren bist und was Dein höchstes Lebensglück (Kinder) ist. Du scheinst unbewusste Angst (Lebensgeschichte ?) davor zu haben, was Deine das höchste Glück bescherende Lebens-Erfüllung ist.
Seid Ihr verlobt oder treibt Ihr es nur seicht miteinander ?
Dein Wesen rebelliert gegen ein zwar schönes, aber SINNLOSES BUMSEN - kannst Du es jetzt das als künftige Mutter FÜHLEN, was ich meine ?
Die Natur oder der Liebe Gott ist mit tausenden Millionen Jahren Evolutions-Vorsprung viel schlauer als jedes Einzel-Wesen.
Enwände, liebe Biologin ?
P.S.: Ein erfülltes Sexualleben (mit dem richtigen Partner - das kann ich bei Dir nicht beurteilen) würde Dich alle akademischen Prüfungen mit Links und freudig erledigen lassen. Blockiertes Wesen macht jedoch dumm. Auch da ist uns die Natur voraus. Wer sich nicht voll zur Fortpflanzung engagieren will, der wird AUF ALLEN GEBIETEN so weit blockiert, bis es ihn nicht mehr gibt. Denn seine Gefühlslage stimmt nicht. Die Natur duldet nicht überflüssigen Leerlauf.
Ich bin der Meinung man sollte selber erst voll im Leben stehen (und mit sich selber im Reinen sein) bevor man darüber nachdenkt Kinder zu bekommen, schließlich gehts da um mind. 18 Jahre des eigenen Lebens, die man sich dem Kind (den Kindern) verschreibt. Außerdem sollte man den Kindern was beibringen können, ich halte mich (als Perfektionistin) ganz ehrlich nicht geeignet dafür Kinder in die Welt zu setzen... was kann ich ihnen schon beibringen (außer dass der Himmel blau und das Gras grün ist). Ich habe es früher vollends abgelehnt, überhaupt über Kinderkriegen nachzudenken da es nunmal genug Menschen auf der Welt gibt (die selbige auch kaputt machen) und ich mich selber auch nicht so toll finde als dass ich mich jetzt unbedingt reproduzieren muss. Mittlerweile bin ich nicht sicher ob diese Haltung Teil meiner Selbstbestrafungs-Haltung ist. Aber ich bin sicher, dass Kinderkriegen keine notwendige Vorraussetzung ist um als Frau glücklich zu sein...
Man muss außerdem bei einer solchen Diskussion den jeweiligen Ausbildungsstand bzw. Berufssituation bedenken. Ich habe mit meinen 25 Jahren gerade mal die Diplomarbeit angefangen, danach folgen noch mind. 3 Jahre Doktorarbeit, in denen auch an Kinder kriegen nicht zu denken ist.
Dritter Punkt ist schließlich die Beziehung... ich denke nicht ernsthaft über Kinder kriegen nach, bevor ich mir nicht sicher bin dass ich mit diesem Mann den Rest meines Lebens verbringen will (denn alleinerziehende Mutter da habe ich nun echt kein Interesse dran). Im Moment scheitern wir ja schon dabei dass ich zu ihm komme, wie kann ich da an Kinder kriegen denken???
Zitat:
Zitat von PET18
Dieses Männchen kann Dir nicht klar machen, wozu Du geboren bist und was Dein höchstes Lebensglück (Kinder) ist. Du scheinst unbewusste Angst (Lebensgeschichte ?) davor zu haben, was Deine das höchste Glück bescherende Lebens-Erfüllung ist.
Seid Ihr verlobt oder treibt Ihr es nur seicht miteinander ?
Das kommt bei mir so rüber als müsste ich alles hinschmeißen, nur um Kinder zu bekommen? In der heutigen Welt (Scheidungsrate, Fremdgehen, Freund der "eh keinen Bock auf Arbeit hat") halte ich es nicht für ratsam, sich total vom Herr der Hauses abhängig zu machen. D.h. Ausbildung muss eh erst abgeschlossen sein.
Nein verlobt sind wir nicht, denn wie ich gesagt habe gibt es genug Zweifel (von mir aus ob ich ihm genug Gefühle entgegenbringen kann, von ihm aus ob ich denn seine Bedürfnisse überhaupt erfüllen kann), außerdem lässt sich Liebe nicht vertraglich vereinbaren (Heirat), deswegen weiß ich nicht ob ich überhaupt jemals heiraten sollte.
Geändert von ice_crystal (30.11.2008 um 13:19 Uhr).